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Besonderes
Auf dieser Seite will ich Ihnen einige besonders bemerkenswerte Personen vorstellen, die mit Friesen arbeiten, bzw. mit Pferden im Allgemeinen. Sei es Fahren, Bodenarbeit oder aber sogar Reiten.
Im September 2001 wurde ich von Thina Alsterfeldt aus Schweden angemailt, die mir ihr Lob für meine Seite aussprechen wollte, eigentlich nichts Besonderes. Solche Mails bekomme ich regelmäßig.
Sie schrieb mir auch, dass sie selbst ebenfalls einen Friesen besitzt, den sie auch reitet, auch nichts Besonderes, eigentlich!!
Das Besondere an Thina ist, dass sie querschnittsgelähmt ist. Sie hat auch eine eigene Homepage (siehe Linkliste) und als ich so auf Ihrer HP unterwegs war, kam mir die Idee, Thina auf meiner Seite vorzustellen. Sie war von meinem Vorschlag begeistert und schickte mir Material. Dieser Bericht ist aus ihren Erzählungen und aus diversen Zeitungsberichten zusammengesetzt. Übersetzt wurde er freundlicherweise von Karo, bei der ich mich noch einmal herzlich bedanken möchte.
Jetzt aber zu der Geschichte von Thina:
Thina ist ganz normal wie jedes Kind aufgewachsen. Sie fing früh an zu reiten und bekam mit elf Jahren einen recht großen Lippizaner, den sie selbst in Springen und Dressur ausbildete. Von eben diesem Pferd stürzte sie im Alter von elf Jahren und zog sich dabei die starke Verletzung zu, die dazu führte, dass sie einige Jahre später im Rollstuhl sitzt. Das konnte zu diesem Zeitpunkt aber noch keiner ahnen.
Thina ritt mit Begeisterung weiter und es folgten auch noch weitere Stürze, wie bei so vielen anderen Reitern auch. Durch diese Stürze wurde ihr Gehirn an verschiedenen Stellen geschädigt sowie auch das Rückenmark, wovon sie aber zu diesem Zeitpunkt noch nichts merkte.
Sie begann eine Ausbildung als Reitlehrerin / Reitwartin. Kurz darauf begannen die gesundheitlichen Probleme. Noch etwas später wurden erst ihre zahlreichen Verletzungen diagnostiziert.
Eine lähmende Müdigkeit war das erste Symptom der Muskelschwäche, an der sie heute leidet. Das ahnte sie zu der Zeit noch nicht und arbeitete weiter. Ihre Freude am Springreiten bekam einen großen Dämpfer nach einem schweren Sturz, bei dem sie mitsamt Pferd stürzte und unter dem Pferd und dem Hindernis begraben wurde. Da bekam sie das erste Mal richtig Angst.
Sie hörte mit dem Springen auf, aber nicht aus Angst, sondern aus medizinischen Gründen. Sie hatte die ganze Zeit sehr wohl bemerkt, dass irgendetwas nicht mit ihr stimmen konnte und eines Tages war es soweit. Sie konnte nicht mehr aufstehen und hatte Sprachprobleme, daraufhin ließ sie sich ins Krankenhaus bringen.
Dort eröffnete man ihr, dass sie an einer Immunschwäche litt und sie dem Tod gerade noch so von der Schippe gesprungen sei. Sie brauchte Jahre um sich von diesem Zusammenbruch wieder einigermaßen zu erholen. Ein Neurologe sagte ihr, diese Immunschwäche sei, ebenso wie die Muskelschwäche, unheilbar und sie würde nie wieder ganz gesund. Aufgrund dieser Immunschwäche ist Thina auch häufig krank.
Zu allem Überfluss leidet Thina auch an einer Erbkrankheit, einer Hypermobilität ihrer Gelenke, was bedeutet, dass sich bei einer unbedachten Bewegung ihre Schulter- oder auch Hüftgelenke auskugeln.
Nach ihrem Zusammenbruch hatte sie über acht Jahre keinen Kontakt zu Pferden, sie wollte noch nicht mal eins sehen.
Ihr Arzt schlug nach einiger Zeit vor, mit dem Reiten wieder anzufangen und zwar um zu versuchen Bewegungsmuster, die ihr Gehirn noch von früher kannte, abzurufen. Außerdem würden beim Reiten große Muskelgruppen aktiviert.
Sie hatte eigentlich keine Hoffnung, chronische Rückenschmerzen, Beine, die nicht gehorchten, eigentlich denkbar schlechte Voraussetzungen um wieder zu reiten.
Dann begegnete sie zufällig Thijs, ihrem jetzigen Pferd.
Er war ein ruhiger, kaum gerittener Friesenhengst mit einem Stockmaß von 1,70 m.
Doch dann wurde er an Leute verkauft, die ihn schlecht behandelten und trug viele Narben auf seiner Seele davon, er war total verdorben.
Aber diese Begegnung veränderte Thina, sie wollte wieder anfangen zu reiten. Die ersten Versuche machte sie mit einem 1,06 m kleinen Shetlandpony, das von ihrer Schwester geführt wurde. Erst legte sich Thina quer auf den Rücken des Ponies, weil sie ja nicht aufrecht sitzen konnte, aber nach vielen Versuchen schaffte sie es.
Nun suchte sich Thina einen günstigen Stall in der Nähe ihrer Wohnung. Eigentlich ließ ihre finanzielle Situation keinen Spielraum für ein Pferd, doch mit viel Hilfe von außen gelang es ihr und sie bekam ihren Thijs. Zwischen den zwei enstand ganz schnell ein besonderes Band, das sie verbindet. Aufgrund ihrer starken Behinderung muss das Pferd besonders aufmerksam ihr gegenüber sein. So darf er zum Beispiel im Falle eines Erschreckens auf gar keinen Fall scheuen oder buckeln. Thijs bleibt in solch einer Situation einfach stehen. Das bedeutet, er muss zum Schutz seiner Reiterin gegen seine Instinkte ankämpfen und still stehen bleiben.
Er bleibt auch dann sofort still stehen, wenn Thina vor Schmerzen ohnmächtig wird und vornüberfällt und wartet ganz ruhig, bis sie wieder zu sich kommt...
Thina hat in ihren Armen nur noch 5 bis 15% der ursprünglichen Kraft und auch über die Beine kann sie kaum Hilfen geben, da sie ihre restliche verbliebene Kraft benötigt sich aufrecht im Sattel zu halten. Sie dirigiert ihn über ganz feine Zügelbewegungen und Stimmkommandos, zum Glück hat Thijs einen natürlichen Vorwärtsdrang, denn wie schon gesagt, treiben kann sie ja nicht. Diese natürliche Vorwärtsbewegung lenkt sie dann in die "richtigen Bahnen". Thijs ist auch so trainiert, dass er auch nicht auf eine "unabsichtliche" Beinhilfe reagiert. Sie arbeitet zur Zeit an Piaffe, Passage und den fliegenden Galoppwechseln. Trabverstärkungen kann sie nicht reiten, da sie diese nicht sitzen kann, dadurch reitet sie meist im versammelten Trab.
Sie fährt auch mit Thijs und nimmt an Turnieren teil. Ihr großer Wunsch ist, an den Meisterschaften im Einspännerfahren 2002 in Holland teilzunehmen,wenn sie einen Sponsor findet.

Jetzt fragen Sie sich wahrscheinlich, wie Thina reiten kann, obwohl sie keine Kraft in ihren Beinen hat.
Wenn sie mit ihrem Hund und einem Ihrer Helfer, der ihr rund 5 Stunden pro Tag zur Verfügung steht, am Stall angekommen ist, versorgt sie erst einmal Thijs. Bevor sie sich auf Thijs heben lässt, sind etliche Vorbereitungen nötig. Sie bandagiert alle Ihre Gelenke ein, damit sie sich nicht während des Reitens auskugeln können. Nachdem sie ein Korsett und eine Sturzweste angelegt hat, wird sie auf das Pferd gehoben und die Beine werden am Sattel verschnallt und die Füße in den Steigbügeln. Diese Verschnallung ist so konstruiert, dass sie bei einem Druck von über 25 kg aufgeht.
Thina versucht so selbstständig wie möglich zu sein. Sie hat zwar eine Hilfskraft, doch nicht rund um die Uhr. Für die andere Zeit hat sie zwei Hunde bei sich, zwei Golden Retriever. Diese sind so ausgebildet, dass sie etliche Dinge für Thina erledigen können. Sie ziehen z.B. mit einem speziellen Geschirr Thina in ihrem Rollstuhl oder heben heruntergefallene Gegenstände vom Boden auf oder aber helfen die Waschmaschine zu befüllen bzw. zu entleeren, drücken Schalter usw. Denn jede körperliche Anstrengung bedeutet für sie einen sehr hohen Kraftaufwand. So muss sie sich z.B. sehr stark konzentrieren, damit sie ein Wasserglas in der Hand halten kann und es nicht einfach fallen lässt.
Aber auch Thijs muss für sein Fressen "arbeiten", im Sommer zieht er den Wagen alleine (!!) über die Wiese, auf den das von Thina und einem Helfer zusammengerechte Heu geladen wird. Ebenso fährt er seinen Hafer von der Getreidemühle in den Stall.
Thina hofft, dass sie noch möglichst lange reiten und auch noch einige Showauftritte absolvieren kann, denn die Muskelschwäche in den Armen schreitet immer weiter fort. Sie möchte damit anderen Leuten Mut machen, dass alles zu machen ist, wenn man will.

Den Abschluss dieses Artikels übernimmt Thina selbst:
"Ich habe wirklich aus der ganzen Welt Hilfe bekommen, damit ich Thijs behalten kann, der mein ganzes Leben bedeutet. Überall habe ich unheimlich viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft bei den Menschen erlebt. Als eine Art "Rückzahlung" versuche ich auch anderen zu helfen, wo ich nur kann. Besonders liegt mir die Unfallverhütung am Herzen, aber ich berate z. B. auch Menschen, die mit einer Krise fertig werden müssen. Seit letztem Jahr (2000) reite ich Shows mit Thijs und dieses Jahr hatten wir 7 Auftritte und einige Kurse. Der Unfall, der mein Leben verändert hat, hätte eine Katastrophe bedeuten können, doch er erwies sich als wahrer Segen. Ich kann Menschen nun in ihrer tiefsten Seele ansprechen und berühren. Immer wieder kommen Leute nach einer Show zu mir und erzählen mir, dass es sie so sehr bewegt hat, Thijs und mich zu sehen."
Alle Bilder stammen aus dem Archiv von Thina Alsterfeldt
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